Gütersloh kann mehr Sicherheit in der Gesundheitsversorgung bieten!

Gesundheitsversorgung ist für mich ein ganz wichtiger Teil kommunaler Daseinsvorsorge! Schon vor der Corona-Krise habe ich gemeinsam mit der SPD-Fraktion die Gründung eines kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) angeregt, um dem Hausärztemangel endlich zu begegnen. In dieser Woche wurde dieses Vorhaben erneut vertagt. Die Aussagen einiger Fraktionen irritieren.

Hausärztemangel schon lange Realität 

Die Gesundheitsversorgung ist schon lange auch ein Thema in der kommunalen Politik. Der drohende Mangel an Hausärzten durch fehlenden Nachwuchs ist in einigen Teilen Güterslohs schon lange Realität. Mehrjährige Bemühungen der Verwaltung und des Bürgermeisters haben dazu geführt, dass sich ein (!) Hausarzt in Gütersloh niedergelassen hat und dass es eine Famulatur (Praktikum eines Medizinstudenten) gegeben hat. In Blankenhagen hat der Hausarzt vor sehr vielen Jahren seine Praxis geschlossen, in der Folge verabschiedete sich auch die Apotheke aus dem Ortsteil. In der Bevölkerung, die einen besonders hohen Altersschnitt aufweist und allein aufgrund der räumlichen Lage nun vor einer weiteren Herausforderung steht, bleibt ein Gefühl des Verlassenseins und der Verunsicherung. Auch in anderen Ortsteilen wie z. B. Avenwedde fehlen Hausärzte.

Die Stadt handelt, aber zu langsam

Es ist daher gut, dass sich die Stadt Gütersloh bereits seit mehreren Jahren um die Anwerbung neuer Hausärzte bemüht und sich als Teil des Projekts Vital.NRW auch um Fördermittel und Expertenrat beworben hat. In den Gremien wurde in zahlreichen Sitzungen über das Thema und die Problemlage diskutiert. Allein die Ergebnisse lassen bislang auf sich warten! Schon oft hieß es, dass die Anwerbung eines Arztes kurz vor dem Abschluss steht, letztlich stets ohne Erfolg. Keine Frage – die Anwerbung von Hausärzten ist eine schwierige Aufgabe. Doch in der Bevölkerung macht sich nach Jahren der Ankündigungen eine Frustration breit, die ich unter anderem bei einer sogenannten „Gesundheitswerkstatt“ in Blankenhagen deutlich spüren konnte. Die Menschen wollten nicht zum hundertsten Mal ihre Bedarfe und Probleme äußern dürfen, sondern sehen, dass sich endlich etwas tut!

Die Kommune muss endlich Handeln

Damit sich etwas tut, habe ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen in der SPD-Ratsfraktion und einigem Expertenrat den Vorschlag eines Kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) unterbreitet. Die Idee: Die Stadt Gütersloh gründet eine Gesellschaft, die dann Hausärzte anstellt. Dadurch wird den Ärzten das wirtschaftliche Risiko genommen, Investitionen in eine Praxisausstattung müssen sie nicht selber vornehmen und eine Arbeit in Teilzeit ist möglich. Beruf und Familie lassen sich besser vereinbaren.

 

In Blankenhagen hat sich zu Beginn des Jahres sogar eine ganz konkrete Möglichkeit ergeben, in einem Wohn- und Geschäftshaus eine erste Filiale eines MVZs einzurichten.

Gesundheit darf keine reine Kostenfrage sein – gerade in diesen Zeiten

In dieser Woche wurde im Hauptausschuss erneut über meinen Vorschlag diskutiert. Die Kritik einiger Ratsmitglieder war angesichts der lange bekannten Problemlage sehr irritierend. Während einige den Bedarf eines solchen MVZ in Frage stellten, folgten andere erneut einer gefährlichen Kostenlogik.  Wenn etwa der Vorsitzende der CDU-Fraktion bemängelt, dass sich ein kommunales MVZ „nicht rechnet“, oder der Bürgermeister eine mögliche finanzielle Investition der Stadt Gütersloh ablehnt, weil die Stadt nicht für die Finanzierung des Gesundheitssystems zuständig sei, dann ist das nicht mehr nur irritierend, sondern auch fahrlässig. Nicht zuletzt die aktuelle Corona-Krise zeigt doch, wohin ein reines Kostendenken im Gesundheitssektor führt. Der vom Bürgermeister befürchtete Wettbewerb mit anderen Kommunen ist außerdem längst da – unsere Nachbarstädte zahlen beispielsweise hohe Niederlassungsprämien für neue Hausärzte und selbst die Stadt Gütersloh erwägt solche Anreize. Unser Plan einer MVZ-Gesellschaft geht hier außerdem einen anderen Weg – wir wollen diese Gesellschaft explizit auch für andere Kommunen offen halten und so anstelle des Wettbewerbs einen gemeinsame Lösungsweg eröffnen.

Fazit: Gesundheit ist Daseinsvorsorge, daher brauchen wir ein MVZ 

Zusammengefasst zeigt sich also, dass der Bedarf in Gütersloh sich nicht abstreiten lässt. Gerade in den Ortsteilen, wie eben in Blankenhagen, bricht mit der hausärztlichen Versorgung ein wichtiger Teil der örtlichen Infrastruktur weg und hinterlässt eine Verunsicherung in der Bevölkerung. Ich begreife Gesundheit als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Wer auf die jeweils höhere Ebene wartet und damit die eigenen Handlungsoptionen negiert, der schadet nicht nur der nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt und ihrer Ortsteile, sondern gefährdet auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.

 

Unser Antrag ist nun erneut vertagt, wir werden da aber nicht lockerlassen. Ich bin überzeugt: Gütersloh kann mehr!